Hundetraining in Bornheim

Beim Mantrailing ist „Näschen“ gefragt

24.10.2016 Bornheim. Teilnehmer des Hunde-Freizeit-Treffs aus Alfter gehen im Außengelände des Bornheimer Freizeitbads auf Personensuche.

Das komische schwarze Ding, das Gina unter der Rutsche im Außenbereich des Bornheimer Freizeitbades aufgespürt hat, ist ihr nicht ganz geheuer. Unschlüssig bleibt die sechseinhalbjährige Mischlingshündin stehen: Was ihre Nase riecht, will einfach nicht mit dem übereinstimmen, was ihre Augen sehen. Sicher ist Gina der Geruchsspur der Versteckperson (VP) Angelika Prauß durch das Freibadgelände gefolgt.

Dass diese sich allerdings in ihrem Versteck zusätzlich mit einem riesigen schwarzen Regenponcho bedecken würde - damit hatte die Hundedame nicht gerechnet. Nach einigem Zögern siegt die Neugierde dann doch: Vorschriftsmäßig setzt sie sich neben die Versteckperson und wird mit einem Leckerli für ihre Leistung belohnt.

„Es ist eine besondere Herausforderung für die Hunde, die Versteckperson nicht sofort erkennen zu können“, erklärt die Alfterer Hundetrainerin Heike Jung.

Mit 16 Mensch-Hund-Teams war sie am Samstagmorgen auf dem Gelände des Freibades unterwegs, um „Mantrailing“, eine spezielle Form der Personen-Vermissten-Suche, zu trainieren.

„Der Vorstand des Stadtbetriebs Bornheim, Ulrich Rehbann, und Schwimmbadleiter Lars Kaiser waren sofort offen für meine Anfrage“, berichtet Jung, die als Arzthelferin arbeitet und ihr Hobby mit dem Hunde-Freizeit-Treff seit 2007 zum Nebenberuf gemacht hat.

Gut vier Wochen ist es her, als sich über 200 Vierbeiner zum Abschluss der Freibadsaison beim Hundetag fröhlich in den Außenbecken des Bornheimer Freizeitbades tummelten. Für Lucky, Gina, Bijou und Co. war beim Mantrailing dagegen Köpfchen oder besser gesagt „Näschen“ gefragt.

16 Mensch-Hund-Teams machten mit

Das Wasser zieht die Geruchspartikel an“, erklärt Expertin Heike Jung. Besonders deutlich wurde dies, als sich Australian Shepherd-Hündin Bijou mit ihrer Besitzerin Patricia Strucken aus Meckenheim auf die Suche nach der Versteckperson machte.

Die Nase dicht am Beckenrand, folgte die Anderthalbjährige der Spur ohne zu zögern – einzig das Zusammentreffen mit ihrer Hundefreundin Jule brachte sie kurz aus dem Konzept. „Freue mich dich zu sehen, bin aber gerade bei der Arbeit“, übersetzt Heike Jung Bijous klare Körpersprache.

Die Meckenheimerin Patricia Strucken nutzt seit einem Jahr jede Gelegenheit für einen Trail mit ihrer Hündin. „Ich finde es immer wieder faszinierend, was die Tiere leisten“, erklärt sie.

Heike Jung betreibt das Mantrailing ausschließlich als Freizeitangebot, arbeitet dabei aber auf hohem Niveau. Zusammen mit Ausbildern von bekannten Rettungsstaffeln bildete sich die Trainerin ständig weiter.

Immer wieder schafft sie mit ungewöhnlichen Orten neue Herausforderungen für ihre „Schnüffler“: So konnten ihre Mensch-Hund-Teams bereits in einem Bornheimer Möbelhaus, auf dem Betriebshof der Stadtwerke Bonn in Dransdorf und in den Quarzwerken Witterschlick auf Personensuche gehen.

Die anfangs eher ängstliche Gina ist durch das regelmäßige Trailen aufgeschlossener geworden, ist ihr Besitzer Thorsten Müller überzeugt. Menschen in schwarzen Regenponchos stellen seit Samstag jedenfalls kein Problem mehr dar. (Sonja Weber)